Digitale Reflexionen
Über Kunst, Kartoffeln und KI
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Eine digital generierte Skizze auf der Grundlage einer Original-Aquarellmalerei
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Eine digital generierte Ideenskizze
Digitale Werkzeuge können also gewissermaßen Schälmesser für die Kartoffeln dieser Welt sein, sofern deren Zubereitung sich im Sinne des Eingangszitates als „conscious act“ manifestiert.
Verwendet man virtuelle Bilder als Ideenscribbles, Farbnotationen oder Kompositionsstudien, können sie als Idee oder Anregung in die Gestaltung analoger künstlerischer Arbeiten einfließen. So werden Inhalte physisch nicht existenter Bildwelten in Objekte der realen Welt überführt. Sie sind Ideen vor ihrer Transformation durch ihre Materialisierung.
Kreativität beginnt im Denken und Fühlen, Originalität entsteht aus der individuellen Perspektive, der Fantasie oder dem Vorstellungsvermögen des Gestalters. – Beides ist medienunabhängig.
Über beides verfügt"Künstliche Intelligenz" nicht – sie simuliert allenfalls. Eine Art digitaler Mimikry-Technik. Man achte auf die Entitäten.
Von stochastischen Papageien und anderen Plappermäulern
Der Semiotiker Umberto Eco prägte im Hinblick auf die populistische These des Medientheoretikers Marshall MacLuhan ("The medium is the Message") den Begriff "Cogito interruptus", indem er festellte: "MacLuhan fragt nicht erst lange, ob seine Argumente auch alle wahr sind. Ihm genügt es, dass sie alle da sind." Der Erfolg seiner These, so Eco, beruhe auf einer Technik des "Nichtdefinierens von Begriffen".
Sogennannte "Künstliche Intelligenz" ist eine Maschine und auch sie verwendet Begriffe, weil sie nun mal da sind, ohne zu verstehen, was sie bedeuten oder sie zu definieren. Ihre Bezeichnung als "KI" ist eine anthropomorphe Metapher, die ihr menschliche Eigenschaften (Intelligenz) zuweist, die sie gar nicht besitzt.
Statt Begriffe zu "verstehen" benutzt KI hochkomplexe Modelle und Berechnungen riesiger Datenmengen zur Ermittlung der statistischen Wahrscheinlichkeit logischer Wortabfolgen, um mit diesen stochastischen Methoden natürliche Sprache generieren zu können, ohne deren Inhalt zu verstehen - zufällige Fehler inklusive.
Der Algorithmus versteht also nicht, was er gelernt hat und weiß auch nicht, ob er etwas Falsches wiedergibt – beinahe wie ein Papagei.
On the Dangers of Stochastic Parrots, (Hrsg.: Association for Computing Machinery. März 2021) ist ein Werk von
amerikanischen Autorinnen, das auf die Gefahren dieser Methode
hinweist, darunter auch ehemalige Google-Mitarbeiterinnen wie die KI-Ethikforscherin Timnit Gebru oder Margaret Mitchell, die bei Google Brain das
Ethical AI-Team geleitet hatte. In der Folge wurde zunächst Timnit Gebru und später auch Margaret Mitchell von Googles KI-Abteilung entlassen.
(Quelle: Wikipedia)
Dieser plappernde Papagei kann weder Denken noch Querdenken, er ist weder kreativ, noch hat er Phantasie. Er kennt keine Ethik und keine moralischen Urteile. Er hat kein Bewußtsein und übernimmt keine Verantwortung. Er versteht keine Ironie. – Und Malen kann er auch nicht (aus eigenschöpferischem Akt).
Externer Link: Wie KI die Demokratie bedroht.
Eine Analyse von ZEIT-ONLINE vom 24. April 2026 / Öffnet in neuem Fenster
Tapsend durch die Antike
Man steht vor dem Vorhang, eine frisch desinfizierte Haube wird über den Kopf gestülpt, die einem zunächst die Sicht nimmt: "Bei Rot nicht weitergehen, grün ist Ihre Begleitung, folgen Sie dem gelben Glitzerschweif," so lauten die Anweisungen des Personals.
Hinter dem Vorhang betritt man sodann eine Welt, bei der einem Hören und Sehen vergehen soll: Die Welt der ägyptischen Antike, das Leben der Kleopatra, 3000 Jahre Zeitensprung von jetzt auf gleich. Ihre Nase, ich will ihre Nase sehen!
Doch zunächst geht es durch Gassen - Glitzerschweif - durch Verliese - Glitzerschweif - durch Flure und Gemächer - Glitzerschweif - vorbei an Marcus Antonius, der irgendetwas Dramatisches erzählt. In einem Korridor liegen Gesteinsbrocken am Boden eines Erkers. Bei Annäherung springen sie plötzlich in die Luft und verfestigen sich zu einer historischen Skulptur, begleitet von echten virtuellen Geräuschen und echten virtuellen Stimmen.
Plötzlich ein rotes Gitter. Achtung Rot, nicht weitergehen! Die Versuchung ist nahe. Holt man sich vielleicht eine echte virtuelle Beule?
Und da ist sie wieder, diese schlottrig tanzende Figur aus Kuben und Kegelsegmenten mit leuchtend grünen Kanten: "...Jörg? ...Bist Du das?"
Jetzt erscheint Kleopatra: Beeindruckend schön oder schön beeindruckend? Normale Nase im Vergleich zum Asterix-Comic, würde ich sagen.
Dann kommt die VR-Challenge: Der Glitzer führt über einen schmalen Steinpfad, rechts und links davon höllentiefer Abgrund. Beim Betreten bröckeln die Steine an den Wegesrändern und stürzen donnernd in die Tiefe. Nur vorsichtig tapsend wird die Schlucht überwunden.
Nach Ende des Parcours ein Blick in den Showroom ohne VR-Brille: Nackter Beton, kryptische Zeichen und völlige Leere. Nur die anderen Besucher. Sie tapsen noch. Das rote Gitter war eine Wand. Die Beule wäre wohl echte Realität gewesen.

Kryptische Zeichen auf nacktem Beton: "Showroom" der immersiven Ausstellung KLEOPATRA
in Hamburg, Mai 2026. (Foto: Ute Miszewski)
In Vorbereitung:
Wiedergeburt aus dem 3-D-Drucker
Die Vision von Unsterblichkeit der High-Tech-Oligarchen?
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